Die Künstlerin
Meine Kunst ist eng verknüpft mit meinem eigenen persönlichen Weg, mich immer besser kennenzulernen – in der Tiefe. Mich zu trauen, tatsächlich mich auszudrücken und raus aus meinem Angepasst-Sein zu gehen.
Farben sind dabei ein großer Dreh- und Angelpunkt für mich. Habe ich Farben doch schon immer geliebt. Auch wenn ich als Kind scheu und zurückhaltend war – meine Lieblingsfarbe war knallrot. Ob beim Mensch-ärgere-dich-nicht oder beim Aussuchen eines Pullovers: Immer habe ich rot gewählt.
Dann kam eine lange Zeit, in der es zwar in mir bunt war… doch nach außen wurde ich ruhig, angepasst, grau – fast wie unsichtbar.
Meine Kunst lag tief in mir vergraben. War ich doch zu sehr mit meiner Unsicherheit und meiner Zurückhaltung beschäftigt.
Lebendig wurde alles erst, als ich begonnen habe, mich Schritt für Schritt zu befreien. Und mich Schritt für Schritt zu trauen, meine Farben auch im Außen zu zeigen.
Also raus aus meinem Angepasst-Sein. Rein in meinen ganz eigenen Ausdruck.
Die Ohrringe – ein Wendepunkt
Meine Ohrringe sind etwas sehr besonderes für mich. Oft haben sie Veränderungen eingeläutet, die ich nicht auf dem Schirm hatte, die mich jedoch mit ihrer bunten und lebendigen Kraft meiner Kunst und meinem Ausdruck näher gebracht haben.
Ich erinnere mich gut an ein Frauenseminar, das ich mit Anfang 50 besucht habe. Ich dachte, es gehe um Tiefe, ums Fühlen und um innere Prozesse.
Ging es auch. Doch es ging auch um Ausdruck – um Kleidung, Farbe und Sichtbarkeit.
Ich weiß noch, wie ich damals in einem Kreis stand, umgeben von Frauen, die mir Inspirationen gaben, wie ich in meinem Aussehen mehr Ich sein konnte. Ich habe echt geschwitzt, doch ich bin offen geblieben. Und in dieser Offenheit war mir klar: Ich mag meine Kleidung nicht. Sie ist eintönig, unauffällig und für mich langweilig. Und ich möchte dies nun ändern.
Nach diesem Seminar habe ich mir dann Ohrlöcher stechen lassen. Etwas, das ich mir so viele Jahre verweigert hatte. Eine Stimmer in mir sagte immer: „Ohrringe stehen dir nicht.“ Puuh, echter Blödsinn.
Denn weißt du was? Ich liebe es jedes Mal, meine Ohrringe anzulegen. Je größer und je bunter, desto besser.
Dann kam die Idee, meine eigenen Ohrringe zu gestalten. Erst für mich. Dann für andere Frauen.
Ich – ein ausgesprochener Morgenmuffel – saß plötzlich morgens um halb sieben vor meinen Farben und habe mit leuchtenden Augen meine „Kunst am Ohr“ geschaffen.
Die Energiebilder
Mit den Ohrringen kam meine Liebe zu den Energiebildern.
Mit geschlossenen Augen vor einer weißen Leinwand zu sitzen, zu lauschen, was sich zeigen möchte und dann Formen und Farben intuitiv fließen zu lassen – dies ist ein Prozess, in dem ich tief in die Energien eintauche und ihnen Ausdruck schenke.
Ausdruck ist einer der Grundpfeiler meines Wirkens. Tatsächlich immer mehr das auszudrücken, was durch mich sichtbar werden möchte. Ohne Erwartungen erfüllen zu müssen. Ohne Vorgaben zu folgen. Sondern einfach drauf los, um dann zu staunen, was sich zeigt.
In dieser Form der Welt meine Farben schenken zu dürfen, ja, da muss ich mich selbst immer mal wieder zwicken, dass es tatsächlich lebendig geworden ist.
Und sonst…
…liebe ich meine kleine Fellnase.
…liebe ich es zu spielen.
…liebe ich es, Großstädte zu erkunden.
…liebe ich meinen Hafermilch-Cappuccino.
…und dass ich meine Farben überall mit hin nehmen kann. Denn mein Atelier ist überall.
Herzlich,
Kathrin
